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Cirdans Filmbesprechung zu
DUNGEONS AND DRAGONS - DER FILM

Anfänge

Es scheint fast so, als erlebe das Fantasy-Genre eine nie da gewesene Konjunktur. Weltweit macht eine neue Generation von  Fantasy-Anhängern von sich reden, nicht ganz unbeachtet von den Filmstudios in Hollywood. Und obwohl das Fantasy-Film-Genre bereits vor 20 Jahren erstmals scheiterte, gibt man ihm nun eine weitere Chance. Diesmal soll alles anders werden.

Während im fernen Neuseeland die letzten Szenen für die Megaproduktion DER HERR DER RINGE abgedreht wurden und die Nachproduktion angelaufen ist, hat es ein andere Film bereits klamm heimlich in die amerikanischen Kinos geschafft und läuft am 12. April auch in Deutschland an.

Die Verfilmung des Urvaters aller Rollenspiele DUNGEONS AND DRAGONS war der Lebenstraum von Nachwuchsregisseur Courtney Solomon. Der 30-Jährige Rollenspieler erwarb die Rechte für die Verfilmung bereits vor 10 Jahren und gründete nur aus diesem Grund seine kanadische Produktionsfirma Sweetpea Entertainment.

Doch die Umsetzung des Drehbuchs, dass er zusammen mit den Autoren Topper Lilien und Carroll Cartwright verfasst hatte, erwies sich als ein schwieriges Unterfangen und eine 10-jährige Odyssee begann. Mit seinem Drehbuch unter dem Arm tingelte der damals 20-Jährige erfolglos von Produzent zu Produzent, bis er endlich im Mai 1999 im Büro von Top-Produzent Joel Silver stand, der dafür bekannt ist, Meisterwerke zu entdecken und auf die Leinwand zu bringen. Zuletzt verdankten wir Joel Silver den Cyberthriller MATRIX, aber auch schon früher verzeichnete er mit Knallern wie STIRB  LANGSAM oder LEATHAL WEAPONS Einnahme-Rekorde. Silver gefiel Solomons Projekt so gut, dass er es produzieren wollte.

Die Story

Wie so oft im Helden-Alltag bestimmt der alten Kampf zwischen Gut und Böse das Geschehen. Für viele Jahrhunderte herrschte Frieden im Kaiserreich Izmer, aber der Preis dafür war hoch, denn das Volk hungert unter der Herrschaft des Kaisers und seines Magier-Konzils. Instrument der Macht war ein altes magisches Szepter, mit dem man die goldenen Drachen kontrollieren kann. Eines Tages fällt der Kaiser einem Attentat zum Opfer und der nächste Erbe rückt auf den Thron nach, hier setzt die Handlung des Films ein. Es handelt sich bei dem Erben um die 17-jährige Prinzessin Savina (Thora Birch), die bedeutende Änderungen an dem Regierungsstil vornehmen möchte. Dem Volk soll es ab sofort besser gehen. Doch ein Mitglied des Magier-Konzils ist über die Pläne der neuen Kaiserin nicht sehr glücklich. Der konservative Erzmagier Profion (Jeremy Irons) schmiedet seit langem dunkle Pläne in seinem Turm. Nun, da das Reich durch den Regierungswechsel geschwächt ist, wittert er seine Chance. Um an das königliche Szepter zu kommen, überzeugt er mit einem hinterhältigen Plan den Rat der Magier, dass Savina ihrer Aufgabe nicht gewachsen ist. Savina reagiert prompt und schickt ihre vertrauenswürdigste Waldläuferin, die Halbelfe Norda (Kristen Wilson), auf eine selbstmörderische Mission. Sie soll ein altes Artefakt beschaffen, mit dem man sich die roten Drachen unterwerfen kann. Auf diese Art und Weise möchte Savina das Gleichgewicht der Kräfte wieder herzustellen. Profion jedoch deckt den Plan auf und eine mörderische Jagd beginnt. Unterstützt wird Norda bei ihrer Suche von Dieb Ridley (Justin Whalin), seinem Freund Snails (Marlon Wayans), der Magierin Marina (Zoe McLellan) und dem missgelaunten Zwergenkrieger Elwood (Lee Arenberg).

Die Produktion

Mit dem relativ geringen Budget von 35 Millionen Dollar wollte Courtney Solomon eine Fantasy-Welt auf die Leinwand zaubern, die man in dieser Form noch nicht zuvor gesehen hat. Vorbild dafür waren die bereits existierenden Rollenspielwelten wie „Mystera“, „Drachenlanze“ oder „Vergessene Reiche“. Solomon wollte dabei aber auf keinen Fall kopieren, sondern eine neue Welt entwerfen, in der er sich schöpferisch frei entfalten konnte.

Wenn man sich festlegt, schießt auch die Erwartungshaltung in die Höhe – Jeder hat eine sehr spezielle Vorstellung, wie beispielsweise die Vergessenen Reiche auszusehen haben oder wie die Welt von Drachenlanze sein soll.

Bei Zaubern und Monstern hielt er sich nach eigenen Angaben eng an die Vorlagen des Rollenspiels Dungeons and Dragons: „Wir haben Orks, Elfen, Zwerge, rote Drachen, goldene Drachen, Betrachter, Skelette und 15 bis 20 Zaubersprüche. Rollenspiel-Fans werden es lieben...“ schwärmt Solomon.

Um den Kosten für die aufwendigen Computer-Effekte entgegen zu wirken, wählte man relativ billige Drehorte in der Tschechei, an denen schon DRAGONHEART realisiert worden war. Die 65 Drehtage in der Umgebung von Prag seien erstaunlich billig gewesen. Hätte man den Film in den USA gedreht, hätte er mindestens 80 oder 90 Millionen Dollar gekostet, vermutete Solomon gegenüber der amerikanischen Presse.

Hinzu kommt, dass man an vielen Originalorten gedreht hat, die kaum noch verändert werden mussten. Die Knochenkirche von Kutna Hora beispielsweise gibt mit ihrer schaurigen Inneneinrichtung eine hervorragende Festung für Bösewicht Profion ab. Im Mittelalter wurde die tschechische Kirche aus den 40.000 Skeletten von Pestopfern errichtet und zählt zu eine der Sehenswürdigkeiten des Landes.

Aber es braucht mehr als gute Effekte und eine beeindruckende Optik, um einen guten Fantasy-Film umzusetzen. Dies bewiesen in den frühen 80ern schon die zumeist kläglichen Versuche, das Fantasy-Genre auf die Leinwand zu bringen. Daher besetzte Solomon seinen Film mit hervorragenden Darstellern. Kaiserin Savina wird von dem Jungstar Thora Birch gespielt, die erst kürzlich mit AMERICAN BEAUTY Aufsehen erregte, und Dieb Ridley wird von Justin Whalin verkörpert, der TV-Fans als Jimmy Olsen aus der Fernsehserie SUPERMAN - DIE ABENTEUER VON LOIS UND CLARK ein Begriff ist.

DR. WHO-Darsteller Tom Baker spielt Hallvarth, den Anführer der Wildelfen und Richard O´Brien, Erfinder der ROCKY HORROR PICTURE SHOW, haucht dem Anführer einer Diebesgilde Leben ein. Besonderes Besetzungs-Highlight ist Jeremy Irons in der Rolle des stilechten Bösewichts Profion. „Jeremy lieferte uns eine wunderbare Darstellung, ähnlich wie Jack Nicholson im ersten Batman-Film. Er ist nicht der typische ´Hi, ich bin Böse. Wie geht’s so? Ich werde die Welt erobern´-Fiesling. Er hat viel mehr Tiefe“, schwärmt Solomon. Aber auch die anderen Darsteller hätten alle 200 Prozent gegeben und Justin Whalin hätte bei einer Szene sogar sein Leben riskiert. Bei einer Besetzung scheiden sich die Geister. Marlon SCARY MOVIE Wayans spielt Ridleys überdrehten Gefährte Snails, der selbst in den gefährlichsten Situationen noch einen Witz auf Lager hat und dessen Slapstick-Einlagen vor allem das jüngere Publikum ansprechen sollen. Fans befürchteten einen neuen „Jar Jar Binks“-Verschnitt, doch Courtney Solomon wiegelt ab: Auch wenn Wayans Rolle viele komische Momente habe, stehe hinter dem Charakter immer ein sehr ernsthafter Aspekt.

Die Star Warsscher Epik dürfe jedoch nicht fehlen. „Ich wollte immer, dass unser Film der Star Wars des Fantasy-Kinos wird. Als Krieg der Sterne damals raus kam, war Science Fiction mehr oder weniger tot. Aber er kam raus und definierte alles neu.“ Besonders die Zusammenstellung der Helden-Charaktere hätte ihm in der Sternensaga gefallen und Solomon ist sich sicher, dass dieses Geheimrezept damals zu dem unglaublichen Erfolg führte. Gewürzt mit einer Prise INDIANA JONES müsse sein Film einfach ein Erfolg werden.

Finale

Soweit die Theorie. Wer sich in den gigantischen Schatten von Filmen wie STAR WARS stellt, hat es nicht leicht ins Licht zu treten.

Die Handlung des Films erweist sich als die 1:1 Verfilmung gemütlicher Rollenspielabende und ist daher auch wirklich für D&D-Fans interessant. Die junge Gruppe, mit Helden der 1. bis 3. Stufe erlebt ihr erstes großes Abenteuer, mit einigen Dungeons, Monstern und einem Oberbösewicht. Wo Filmkritiker entsetzt die Hände über dem Kopf zusammenschlagen, ob der einfach gestrickten Handlung, wird der Rollenspieler seine wahre Freude haben. Selbst die obligatorische Tavernen-Szene ist enthalten und jeder Rollenspieler wird die eine oder andere Szene aus eigenen Abenteuern wiedererkennen.

Der Film hat einige wirklich guten Momente, die doch leider immer wieder im Schatten anderer störender Details stehen. So wirken die Kostüme einiger Darsteller so künstlich, als ob sie aus der TV-Serie POWER RANGERS geliehen worden wären und die Computer-Effekte wirken oft ebenfalls viel zu synthetisch, was die Glaubwürdigkeit der Fantasy-Umgebung stark einschränkt.

Die Darsteller spielen unter der Regie von Courtney Solomon allesamt so übertrieben, dass schnell klar wird, dass es bei diesem Film nicht auf die Charakterzeichnung ankommt, sondern gängige Rollenspiel-Klischees bedient werden sollen. Einzige Ausnahme: Zoe McLellan als Marina, die eine beachtliche Leistung liefert. Dieses Spiel mit den Klischees erleichtert dem erfahrenen Rollenspieler den Einstieg in den Film, wird den Nicht-Rollenspieler allerdings störend vorkommen.

Zusammenfassend kann ich sagen, dass dieser Film sowohl für Rollenspieler, als auch für XENA- und HERCULES-Fans  sehr geeignet ist, da Solomon der Spagat zwischen Rollenspiel und Popcornkino gelingt. Freunde guter Filmkunst mit hohen Erwartungen kommen bei diesem leichten Machwerk leider nicht auf ihre Kosten. Wenn man den Film nicht allzu ernst nimmt, macht er Spaß und man erlebt zwei unterhaltsame Stunden im Kino. Was will man mehr?

Copyright by Stefan Servos

 

DUNGEONS & DRAGONS, ADVANCED DUNGEONS & DRAGONS, AD&D sind eingetragene Warenzeichen der Firma TSR, Inc. TSR, Inc. ist ein Tochterunternehmen von Wizards of the Coast. Alle Rechte für Film-Merchendising, Fotos, Ausschnitte liegen bei Sweetpea Entertainment. Diese Seite ist nicht kommerziell und nicht offiziell, sondern rein privater Natur. 

 

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